Das neue Palermo (ferien)

Lange hatte Siziliens Hauptstadt ein wenig den Ruf einer Schlampe. Verfall, Mafia, Chaos. Nun hat sie sich ihres Stigmas entledigt und einer Schönheitskur unterworfen. Resultat: eine Sünde wert.

Der Weg zu Palermos Denkmälern führt in ein 3.000 Jahre altes Labyrinth. Zum ersten - und letzten - Mal in ihrer Geschichte haben die Punier hier auf fremdem Boden eine Großstadt aus dem Boden gestampft. Der riesige Normannen-Palast steht auf punischen Grundmauern. Eineinhalb Kilometer weiter liegt die Cala, der Hafen, in dem die punischen Schiffe vor Anker gingen. Links und rechts dieser Achse erstrecken sich die Viertel der Altstadt. Dort stehen die steinernen Zeugnisse aller Völker, die Palermo eroberten und verwandelten. Aber nicht Schicht auf Schicht: Byzantinische Kirchen schieben sich in Moscheen, eine klassizistische Kaserne umklammert ein arabisches Lustschloss, barocke Fassaden verbergen katalanische Paläste.

Die Vergangenheit ist nicht tot - nirgends trifft das so zu wie in Palermo. Das Bewusstsein, dass sich im Grunde nichts ändert, war lange Zeit der ideale Nährboden für die Mafia. So war das Teatro Massimo, Europas drittgrößtes Opernhaus, 23 Jahre lang "wegen Renovierung geschlossen". Wie all die anderen massiven Zuschüsse aus Rom und Brüssel für den Wiederaufbau in der Stadtkasse verschwanden, so versickerten auch die Subventionen für die Oper in den Taschen mafioser Bauunternehmer. Die steckten mit dem konservativen Bürgermeister unter einer Decke.

Unzählige Projekte der Stadtsanierung kamen über die Planungsphase und die ersten eher symbolischen Arbeiten nicht hinaus. Die Altstadt mit ihren zahllosen Kirchen und Adelssitzen verfiel, die betuchteren Mieter suchten sich Wohnungen in den eleganten Neubauvierteln im Westen der Stadt.